Wie man das passende Funkgerät auswählt: der große Ratgeber zum Thema Funkgeräte

In Zeiten, in denen nahezu jeder ein Smartphone besitzt, sind Funkgeräte etwas in Vergessenheit geraten. Das ist bedauerlich, denn Funkgeräte haben einige Vorteile gegenüber ihren modernen Nachkommen. Erstens verursachen sie keine fortlaufenden Kosten. Ein teurer Handyvertrag ist nicht notwendig und auch die Gespräche kosten keinen Cent extra – egal, wie lange sie sind. Zweitens sind Funkgeräte nicht abhängig von Mobilfunkmasten. Mit einem Funkgerät gelangt man folglich nicht so schnell in ein Funkloch. Damit sind sie insbesondere hervorragend für die Benutzung an abgelegenen Orten geeignet. Aber auch mitten in der Stadt zeigen sie ihre Stärken und lassen Handys arm aussehen. Von den Mobiltelefonen haben sich Funkgeräte aber auch einiges abgeguckt. Vor allem neuere Modelle sind mit zahlreichen praktischen Funktionen ausgestattet, die Handys schon lange haben. Einige dieser Extrafunktionen bringen Vorzüge für alle Funkgerätebenutzer, andere dürften nur einen ganz speziellen Kundenkreis ansprechen. Es ist daher nicht immer ganz einfach, herauszufinden, welches Funkgerät das Beste für einen ist. Nach der Lektüre dieses Textes sollten jedoch keine Fragen mehr offen sein. Im Folgenden werden alle wichtigen Informationen über Funkgeräte zusammengetragen, sodass die Kaufentscheidung leichter fällt.

PMR446 – die geläufigste Anwendung im Jedermannfunk

Funkgerät Kenwood TK-3401D
PMR446 ist einer von vielen Standards im Funkbereich. Die Buchstaben stehen für Personal Mobile Radio. Der Frequenzbereich liegt zwischen 446,000 und 446,200 MHz. Wer sich heutzutage ein Funkgerät kauft, der wird aller Wahrscheinlichkeit diese Jedermannfunkanwendung nutzen, denn sie ist die geläufigste für Privatpersonen. Denen stehen seit September 2016 insgesamt 16 Kanäle für die Kommunikation mit PMR446 zur Verfügung. In der Regel spielt es keine Rolle, welche Geräte genau verwendet werden. Solange die gleiche Frequenz eingestellt ist, ist eine Verbindung möglich, auch wenn die Funkgeräte von unterschiedlichen Herstellern stammen. Beide Nutzer dürfen allerdings nicht zu weit voneinander entfernt sein. PRM446-Funkgeräte haben lediglich eine durchschnittliche Reichweite von bis zu fünf Kilometern – und das nur, wenn die Voraussetzungen stimmen. Es sollten möglichst wenige Störfaktoren zwischen den beiden Funkgeräten vorhanden sein. Schlechte Witterungsverhältnisse, Gebäude und Bäume schränken die Verbindung ein. So kann die Reichweite innerhalb einer dicht besiedelten Stadt lediglich zwischen 200 Metern und einem Kilometer liegen. Im Wald können Entfernungen von bis zu drei Kilometern überbrückt werden. Die besten Ergebnisse wird man jedoch nur in schwindelerregender Höhe erreichen, zum Beispiel auf dem Gipfel eines Berges. Wenn sich also beide Funkgeräte auf einem Berg befinden, dann sind sogar Reichweiten von 10 Kilometern möglich. Mehr ist definitiv nicht erreichbar, denn gesetzlich dürfen die Funkgeräte eine Sendeleistung von 500 mW nicht überschreiten.

DMR446 und dPMR446 – die digitale Art zu funken

Bei diesen Anwendungen des Jedermannfunks handelt es sich um digitale Standards. Mit der Digitalisierung des Funkverkehrs kommen einige Vorteile – die Nachteile sind jedoch nicht zu vernachlässigen. Doch zuerst zum Guten: Die Anwendungen DMR446 und dPMR446 sorgen im Allgemeinen für eine bessere Sprachqualität. Der Gegenüber ist also stets besser zu hören. Darüber hinaus stehen Nutzern des digitalen Funks mehrere Kanäle zur Verfügung. Die Anwendungen nutzen nämlich zwei verschiedene Kanalraster: einmal 12,5 kHz und einmal 6,25 kHz. Letzteres Raster ermöglicht ganze 32 Kanäle. Ein weiterer Vorteil besteht in der Möglichkeit, auch Textnachrichten über die Funkgeräte zu versenden. Wenn aus irgendeinem Grund keine verbale Kommunikation möglich ist, dann kann also auf Textnachrichten ausgewichen werden. GPS-Positionen lassen sich über dPMR446 ebenfalls übertragen. Eine solche Funktion kann im Zweifel Leben retten. Doch kommen wir nun zu den Nachteilen der Technik: DMR446 und dPMR446 versprechen zwar eine bessere Sprachqualität, dafür kann die Reichweite geringer sein. Um eine gleichbleibende Qualität der Sprache zu gewährleisten, wird die Verbindung nämlich früher abgebrochen. Herkömmliche Funkgeräte senden weiter, wenn auch mit minderer Qualität und vermehrtem Hintergrundrauschen. Abschließend sei noch erwähnt, dass die beiden digitalen Formate DMR446 und dPMR446 nicht miteinander kompatibel sind.

Funkgeräte im Job – für diese Berufsgruppen sind Funkgeräte unerlässlich

Es gibt viele Berufe, in denen Funkgeräte Smartphones vorgezogen werden. Im Büro mögen die schicken Touchscreenhandys mit Internetanbindung und allerhand weiteren Funktionen praktisch sein, auf dem Bau aber – da sind sie nicht brauchbar. Dort ist man auf etwas Robustes und Zuverlässiges angewiesen. Außerdem sollte man ständig in Kontakt bleiben und nicht nur für ein Fünfminutengespräch. Funkgeräte sind in diesem Fall also die bessere Wahl. Mit ihnen können die Kollegen, die gerade auf der anderen Seite der Baustelle sind, jederzeit angesprochen werden. Es entstehen dadurch keine zusätzlichen Gebühren. Des Weiteren kosten die meisten Funkgeräte weniger und sind widerstandsfähiger im Vergleich zu Handys. Sie sind aber nicht nur dort im Einsatz, wo gehämmert und gebaut wird – auch im Nachtleben sieht man sie häufig. Dort befinden sie sich nicht auf der Seite der Feiernden, sondern bei den Sicherheitsleuten. Auch die sind dank der zuverlässigen Funkgeräte stets miteinander verbunden.

Extremes funken – stabile Funkgeräte für Outdoorsportarten

Auf langen Wander-, Ski- oder Klettertouren gehört immer ein Funkgerät in die Tasche. Die Funkgeräte lassen einen nämlich nicht so schnell im Stich. Ihre Akkus halten mitunter ganze 15 Stunden lang – und hier ist die Rede von einem Dauerbetrieb. Von einem Handy kann man das nicht erwarten. Leistungsstarke Akkus mit bis zu 1500 mAh und energiesparende Technik machen es möglich. Die Zuverlässigkeit der Funkgeräte ist aber nicht das Einzige, was Extremsportler an den Geräten zu schätzen wissen. Funkgeräte passen in jede Tasche und wenn sie einmal herunterfallen sollten, dann ist das nicht weiter schlimm – noch nicht einmal, wenn sie ins Wasser fallen. Zahlreiche Funkgeräte sind vor eindringendem Wasser sicher. Man sollte beim Kauf lediglich auf die angegebene Schutzart achten. Modelle mit der Schutzart IP55 sind zum Beispiel sehr sicher. Sie vertragen eine Menge Staub und halten Strahlwasser aus jedem Winkel stand. Wem das nicht genug ist und wer gegen alle Eventualitäten gewappnet sein möchte, der sollte nach Funkgeräten Ausschau halten, die über die Schutzart IP68 verfügen. Diese Exemplare sind nicht nur staubgeschützt, sie halten es auch aus, wenn sie längere Zeit unter Wasser getaucht werden. Solche Modelle sind u. a. ideal für Kanutouren.

Funken und fahren – Funkgeräte für Ausflüge

Natürlich sollte man beim Autofahren die Finger von seinem Funkgerät lassen. Das ist aber auch kein Problem, denn viele Geräte sind mit einer Freisprechfunktion ausgestattet. Bei den Herstellern nennt sich diese Funktion VOX. Sie erkennt Sprache und aktiviert daraufhin das Funkgerät. Bei manchen Modellen kann sogar die Sensibilität der Funktion individuell eingestellt werden. Das bedeutet Folgendes: Wenn ein niedriger Wert ausgewählt wurde, dann geht das Funkgerät nur bei lauteren Stimmen an. Bei einem hohen Wert spricht das Mikrofon dementgegen schon auf sehr leise Geräusche an. Dadurch ist es immer noch möglich, im Auto private Gespräche zu führen, ohne dass sofort jeder mithören kann. Apropos privat: Mit den meisten Funkgeräten lassen sich innerhalb der Kanäle Gruppen bilden. Das funktioniert mithilfe von sogenannten CTCSS- und DQT-Codes, die über das Gerät versendet werden. Alle Funkgeräte in Funkreichweite, die zwar im selben Kanal sind, aber nicht den richtigen Code verwenden, werden quasi stumm geschaltet. Aber Achtung: Das bedeutet nicht, dass man mit den Codes eine sichere und nicht abhörbare Funkverbindung aufbaut. Die anderen Funker werden lediglich ausgeblendet. All diese Funktionen erleichtern jedenfalls die Kommunikation während der Fahrt. Vor allem Motorradfahrer können per Funkgerät hervorragend in Kontakt bleiben, wenn sie auf Tour sind. Absprachen über den nächsten Halt sind mit Funkgeräten kein Problem.

Was für zusätzliche Funktionen haben die meisten Funkgeräte?

Günstige Funkgeräte stellen ihre Nutzer vor die Wahl: Das Gerät muss entweder an oder aus sein. Wer gerade Ruhe benötigt und nicht gestört werden will, muss sein Funkgerät also abschalten. Das Problem dabei ist, dass nun gar keine Gespräche mehr empfangen werden können – auch keine wichtigen. Bei höherwertigen Funkgeräten wird man dieses Problem nicht haben, denn die sind mit einem Vibrationsalarm ausgestattet. Somit bleibt kein versuchter Funkkontakt unbemerkt.
Natürlich können anstatt des Vibrationsalarms auch akustische Signale ausgewählt werden. Die Benutzer der Funkgeräte haben somit stets die Möglichkeit, sich auch ohne Sprache zu verständigen oder bemerkbar zu machen. Denn mit nur einem Knopfdruck werden diese Anrufsignale an die anderen Funkgeräte gesendet. Oftmals stehen auch mehrere Töne zur Verfügung. Ein anderes praktisches akustisches Signal ist der Roger-Piep. Jeder kennt das typische „Roger“ oder „Over and Out“ aus Film und Fernsehen. Beim Funken vergessen es viele aber. Dabei haben diese Kommandos eine wichtige Funktion. Sie signalisieren dem Empfänger, dass die Mitteilung beendet ist, und geben das O. K. zur Antwort. Mit dem Roger-Piep ist das obligatorische „Over“ nicht mehr nötig, denn sobald die Sendetaste losgelassen wird, ertönt der Roger-Piep am anderen Ende der Leitung.
Doch was ist, wenn am anderen Ende der Leitung niemand zuhört und der Gesprächspartner auf einem anderen Kanal funkt? Anstatt ihn mühsam manuell zu suchen, kann die Scan-Funktion bei vielen Funkgeräten verwendet werden. Damit lassen sich andere Geräte in Reichweite schnell auffinden. Wenn größere Gruppen mit Funkgeräten kommunizieren möchten, dann empfehlen sich außerdem noch Modelle mit Zwei-Kanal-Monitor-Funktion. Damit behält man immer zwei Kanäle im Auge, denn bei Aktivität blinkt eine LED. Womit wir bei den Leuchten angekommen sind. Die farblichen LEDs sind zum Standard geworden. Nur die Anzahl der Farben variiert. Funkgeräte mit dreifarbigen LEDs zeigen nicht nur eingehende Funkkontakte an, sondern auch den Ladestand des Akkus sowie den aktuellen Sendestatus. Ein nettes zusätzliches Feature sind kleine Taschenlampen. Vor allem die zuvor schon erwähnten Sicherheitsleute profitieren von dieser Funktion. Aber auch im Outdoorbereich ist es nie verkehrt, eine Extrataschenlampe zur Hand zu haben.

Nützliches Zubehör für Funkgeräte

Bei der Arbeit oder auf der Wandertour sollten Funkgeräte immer einsatzbereit sein, daher ist ein Gürtelclip ein essenzielles Zubehörteil. Wenn die Funkgeräte in der Tasche sind, hört sie schließlich niemand. Außerdem muss man sein Funkgerät so nicht ständig herauskramen, sondern hat es griffbereit an seiner Hüfte. Noch komfortabler geht es nur mit einem Headset. Die Kopfhörer sperren störende Hintergrundgeräusche aus, und da sich das Mikrofon in unmittelbarer Nähe des Mundes befindet, kommen Nachrichten deutlicher beim Gesprächspartner an. Normalerweise muss auch nicht zwangsweise ein neues Headset gekauft werden. Die meisten Funkgeräte haben einen standardmäßigen 3,5-mm-Klinkeanschluss. Auch USB- beziehungsweise Micro-USB-Anschlüsse sind inzwischen Standard. Das heißt, dass die Funkgeräte mit herkömmlichen Handyladekabeln aufgeladen werden können. Natürlich gibt es für gängige Funkgeräte wie zum Beispiel von Kenwood auch Ersatzakkus. Vor allem für längere Touren empfiehlt es sich, mindestens einen zusätzlichen Akku mitzunehmen, damit garantiert nie der Saft ausgeht. Wer trotz höchster Schutzklasse und robuster Gehäuse auf Nummer sicher gehen möchte, der kann sich außerdem Schutztaschen für seine Funkgeräte kaufen. Die bieten einen Extraschutz vor Stürzen, Stößen, Wasser und Staub.

Fazit: Welches Funkgerät ist nun das richtige für mich?

Ob Spielzeug, Hobbytool oder Berufswerkzeug – Funkgeräte gibt es für so ziemlich jeden Zweck und in jedem Preissegment. Wer sich Funkgeräte anschaffen möchte, sollte sich also zuerst folgende Frage stellen: Welche Funkanwendung ist die beste für mich? Für die Mehrzahl der Nutzer empfehlen sich Funkgeräte, die mit der Jedermannfunkanwendung PMR446 funktionieren. Ihre Reichweite ist zufriedenstellend und die Anzahl der Kanäle ebenfalls. Lediglich im Bereich der Sprachqualität müssen Abstriche gemacht werden. Wer viel Wert auf diese legt, sollte zu Funkgeräten greifen, welche die digitalen Anwendungen DMR446 oder dPMR446 nutzen. Diese Funkstandards versprechen nicht nur eine bessere Qualität der Sprachübertragung, sondern obendrein doppelt so viele Kanäle. Beim Kauf sollte aber darauf geachtet werden, dass die beiden digitalen Standards nicht miteinander kompatibel sind. Neben der Funkanwendung ist der genaue Zweck der Funkgeräte ein wichtiger Faktor beim Kauf. Brauche ich es für den Sport, den Beruf oder für daheim? Wer auf gewisse Merkmale wie dem Schutz vor Flüssigkeit und Staub verzichten kann, der spart bares Geld beim Kauf. Auch der Umfang des beigelegten Zubehörs hat Einfluss auf den Preis. Hier sollte sich jeder zuletzt Fragen, ob er wirklich ein Headset, eine Tasche oder einen Gürtelclip benötigt.... mehr anzeigen